Naturfreunde Dortmund-Kreuzviertel

Stolpersteine

schoenborn-G-smallAm Freitag, den 13.August 2010 wurden die Stolpersteine für Gertrud Schönborn-Poppert und für ihren Mann Walter von dem Künstler Gunter Demnig vor dem Haus Hohe Straße 61a verlegt.

Für die Naturfreundeortsgruppe Dortmund-Kreuzviertel schließt sich damit ein Kreis, der in den Osterferien 2006 begann.

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Im Zuge der Bauarbeiten an der Kreuzstraße waren die Stolpersteine von Emilie und Ludwig Klar, die vor der Hausnummer 26 lagen, mit dem Bauschutt verschwunden.

Nachdem der Kölner Künstler Gunter Demnig bereits in 70 Städten über 5000 Stolpersteine verlegt hatte, sollte nun auch in Dortmund mit dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begonnen werden.

Gunter Demnig verlegt kleine Gedenktafeln, auf denen an das Schicksal von Menschen erinnert werden soll, die im Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden. Die Gedenktafeln haben eine Kantenlänge von 10 cm und sind aus Messing  gefertigt. Sie werden dort in den Gehweg eingelassen, wo die Menschen ihren letzten selbst gewählten Wohnort hatten. Auf ihnen steht der Name und das Geburtsjahr der Person und, wenn man es weiß, der Zeitpunkt der Deportation und der Todesort. Diese Gedenktafeln nennt man "Stolpersteine". Durch ihre glänzende Messingschicht fallen sie im normalen Belag des Gehweges auf, man "stolpert" darüber und kann so etwas über die Menschen und ihr Schicksal erfahren. Diese Menschen werden nicht vergessen.

Der Rat der Stadt hatte der Verlegung bereits zugestimmt. Michaela Poelke von der Hauptschule Mengede, die auch im Kreuzviertel wohnt und auch schon öfter zu uns NaturFreunden Kontakt hatte, gab dazu den Anstoß. Auf der Mitgliederversammlung im Januar 2005 fassten wir dann auch den Beschluss, uns auch als Ortsgruppe hier im Viertel zu beteiligen.
Wir gründeten eine Initiavgruppe mit Karin Faatz-Berte an der Spitze. Es wurde ein Brief an die Anwohner verfasst. Gleichzeitig setzen wir uns mit dem Historiker Rolf Fischer zusammen, der uns eine Liste von Opfern aus dem Kreuzviertel zusammenstellte. Daraus wählten wir 3 Familien aus. Das Stadtarchiv, mit Dieter Knippschild als tollem Helfer, stellte uns Hintergrundinformationen für die Familien zur Verfügung. Leider gab es zu unserem Anwohnerbrief keine Resonanz.

Unsere Vorsitzende schrieb in der von uns herausgebrachten Broschüre folgendes zu unserer Motivation:
„Die NaturFreunde haben sich nicht nur für den Umweltschutz, sondern auch immer in sozialen Fragen engagiert. Vor über 100 Jahren aus der Arbeiterbewegung hervorgegangen, spielt dabei auch die Geschichte – und hierbei besonders die Zeit des Faschismus – eine besondere Rolle. So haben sich die Mitglieder der Ortsgruppe Dortmund-Kreuzviertel aktiv für die Lehren und die Mahnung aus der Geschichte und gegen die heute immer noch unverbesserlichen neonazistischen Strömungen und Aktivitäten eingesetzt. Bei der Aktion „Stolpersteine“ geht es darum, den millionenfachen Opfern - dieser heute für uns immer noch unfassbaren Unmenschlichkeit des Faschismus – ein Gesicht zu geben. Deshalb haben wir zum zweiten Mal in diesem Jahr den Heinrich-Czerkus-Lauf in Erinnerung an den Widerstandskämpfer und Platzwart von Borussia Dortmund veranstaltet. Und deshalb haben wir uns aus den zahlreichen Opfern des Kreuzviertels vier Familien ausgesucht, wollen ihr Schicksal bekannt machen und ihnen zu Gedenken einen Stolperstein setzen. Wir haben nach unseren Möglichkeiten – mit freundlicher Unterstützung von Dieter Knippschild vom Stadtarchiv und dem Historiker Rolf Fischer – die wenigen vorhandenen Informationen über die Familien zusammengetragen, die hier nun vorliegen.
Leider konnten uns die Bewohner bzw. Nachbarn der Häuser, in denen die Familien gewohnt zuletzt haben, die wir alle angeschrieben haben, nicht weiterhelfen. Wir hoffen, dass wir mit Unterstützung der Aktion „Stolpersteine“ den Opfern jüdischen Glaubens im Kreuzviertel ein würdiges Gedenken geben können.
Karin Faatz-Berte
1.Vorsitzende September 2006“


Am 4.12.2006 war es dann endlich soweit. Die Stolpersteine sollten im Kreuzviertel verlegt werden. Einen Tag vorher wurden die Anwohner der 3 Verlegungsstandorte informiert. Zur dieser erlebnisreichen Verlegungsaktion schrieb Georg Bückle:„

Verlegung der Stolpersteine für die Opfer der Nazi-Zeit im Kreuzviertel mit denkwürdigen Überraschungen
Die Verlegung der Stolpersteine für die Opfer des Nationalsozialismus auf Initiative unserer NaturFreunde-Ortsgruppe am 4.12.2006 im Kreuzviertel verlief mit nicht vorher geplanten Überraschungen.

Am Morgen – vor der Verlegung der beiden Steine für Minna und Julius Falk in der Arneckestraße 2, am 27.1.1942 nach Riga deportiert und im gleichen Jahr ermordet – rief der Anwohner des Hauses, Dr. Klaus Busch, bei uns NaturFreunden an und erklärte sich spontan bereit, die Kosten für die beiden Steine zu übernehmen. Er wohne ja bereits 30 Jahre in dem Haus und möchte damit diese Aktion unterstützen.
Bei der Aktion trafen wir auch auf einen 84-jährigen Anwohner, der nun in der  Wohnung von den Falks wohnt und dessen Frau die Familie auch noch kannte.

Am Vinckeplatz 7 gab es dann eine weniger erfreuliche Überraschung. Ein 24-jähriger Anwohner des Hauses hatte sich mit einem Stuhl auf den vorgesehenen Platz der Stolpersteine für Rose und Luis Grüneberg, deportiert 1942 nach Theresienstadt und dann 1944 in Auschwitz ermordet, gesetzt und wollte damit die Verlegung verhindern. Er könne es nicht ertragen, jeden Morgen auf die Untaten in Auschwitz hingewiesen zu werden, wenn er das Haus verlasse, zumal er die Familie ja auch nicht kannte. Trotz einiger Überzeugungsarbeit ließ er sich nicht beeindrucken und musste dann erst von der gerufenen Polizei zum Verlassen aufgefordert werden.

Nach Aussage des Künstlers Gunter Demnig, der schon über 5 500 Steine verlegt hat, ist ihm so etwas bei der Verlegung von Stolpersteinen bislang noch nicht passiert. Die beiden Stolpersteine für die Emilie Klar mit ihrem Sohn Ludwig, die 1942 deportiert und in Riga umgebracht wurden, konnten dann ohne weitere Überraschungen verlegt werden. Nach der Verlegung der Steine gedachten wir jeweils in einer kurzen Ansprache der Opfer.

Am Morgen waren wir auch bei der Verlegung des Stolpersteins für Heinrich Czerkus, Platzwart bei Borussia und kommunistischer Widerstandskämpfer, für den wir bereits am Karfreitag den 2. Gedächtnislauf organisierten, dabei. Chronist Gerd Kolbe hielt hier eine kurze Rede und erwähnte hierbei auch das besondere Engagement der NaturFreunde.
Der Stolperstein für Gertrude Schönborn-Poppert, für sie hatte die  NaturFreundejugend in ihrem workcamp in Sobibor im April bereits dort einen Gedenkstein gesetzt, wird wohl erst im Frühjahr 2007 verlegt werden können. Der Künstler Gunter Demnig ist bereits sowohl in Hamburg und Berlin mit jeweils rund 1000 Steinen in Rückstand. Inzwischen liegen auch Anfragen zur Verlegung aus Polen, Ungarn, Österreich und Italien vor.
Dezember 2006
Georg Bückle


Zwischenzeitlich sollen auch für Gertrude Schönborn und ihren Mann, Walter Poppert an der Hohen Straße 61 ½ zwei Steine verlegt werden. Auf die Idee sind wir als Teamer und Initiatoren für das workcamp in Sobibor (Vernichtungslager in Ostpolen), das wir mit der Naturfreundejugend NRW durchführten, gekommen. Es sollte eine Frau sein und sie sollte auch beim Aufstand im Oktober 1944 eine Rolle gespielt haben. Für sie wollten wir einen Stein in der Gedenkallee auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers verlegen. Und bei unseren Recherchen stießen wir dann auf Gertrude Schönborn. Der Verlegungstermin hat sich aber immer wieder wegen Arbeitsüberlastung des Künstlers verschoben. Er ist jetzt für den August 2010 geplant.

Link zu den Dortmunder Stolpersteinen (Klick)

Hier geht es zu Hintergründe und Informationen der Familien für deren Stolpersteine wir die Patenschaft übernommen haben.
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Stolpersteinverlegung für Familie Poppert am 13.8. um 12 Uhr auf der Hohen Str. 61 1/2

Der Termin zur Verlegung der Stolpersteine für Gertrude Schönborn-Poppert und ihren Mann Walter-Michael Poppert auf der Hohen Strasse 61 1/2 steht nun endlich fest. Am 13.8.2010 zwischen 12 und 13 Uhr werden die Steine endgültig verlegt. Es wäre schön, wenn sich möglichst viele von Euch an der Aktion beteiligen könnten. Mehr Infos unter der Rubrik Stolpersteine.