Naturfreunde Dortmund-Kreuzviertel

schoenborn-G-smallAm Freitag, den 13.August 2010 wurden die Stolpersteine für Gertrud Schönborn-Poppert und für ihren Mann Walter von dem Künstler Gunter Demnig vor dem Haus Hohe Straße 61a verlegt.

Für die Naturfreundeortsgruppe Dortmund-Kreuzviertel schließt sich damit ein Kreis, der in den Osterferien 2006 begann.

 

Im April 2006 haben einige Mitglieder der Ortsgruppe an einem Workcamp der Naturfreundejugend NRW teilgenommen (klick zum Bericht). Das Workcamp fand auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibór in Ostpolen statt. Neben vielen Arbeiten haben die TeilnehmerInnen auf der bereits vorhandenen Gedenkallee eine Stein für Gertrud Schönborn-Poppert und ihren Mann Walter gesetzt.

Warum die Gruppe sich gerade für diese beiden Menschen entschieden hat, geht aus dem folgenden Teil eines Berichtes hervor, den Georg Bückle nach der Fahrt verfasst hat.

„   Die ersten Überlegungen bei der Vorbereitung, für wen dieser Gedenkstein sein sollte, ging in die Richtung, es sollte eine Frau sein, die am Aufstand beteiligt war. Da gab aber die Literatur und die Kenntnisse nicht viel her. Einige Frauen haben den Aufstand überlebt, aber die Gedenkallee will ja gerade an die in Sobibór Ermordeten erinnern. Dann gab es beim Lesen der Literatur eine Verbindung zu dem Aufstand und dann auch noch zu Dortmund: Gertrude Schönborn und Walter Poppert.

In der Frauenbaracke, in der Alexander Pechersky zusammen mit Leon Feldhendler den Aufstand vorbereitete, gab es eine Frau namens "Luka", mit der Pechersky nach außen hin für die Mithäftlinge und dem Wachpersonal eine Beziehung pflegte, damit die Treffen nicht zu auffällig waren.

Die Recherchen verliefen recht schwierig. Großen Dank gilt dafür Dieter Knippschild vom Stadtarchiv Dortmund, der uns dabei dankenswert unterstützte. Diese Frau "Luka" war Gertrude Schönborn-Poppert (den Doppelnamen gibt es nur in niederländischen Quellen). Sie ist am 29.6.1914 geboren und stammt aus Dortmund. Sie lebte dort zusammen mit ihren Eltern Anton Schönborn, Kaufmann, * 9.4.1875 in Köln, katholisch, und seiner Ehefrau Selma, geb. Rosenbaum, *23.12.1882 in Warburg, jüdisch. Bei der Geburt wohnte die Familie Hövelstr. 2, später in der Hohe Str. 61 1/2. Sie hatte noch eine Schwester, Hilde Schönborn, Kontoristin,* 19.5.1910 in Dortmund. Für den Vater ist die Zugehörigkeit zur katholischen Konfession ausgewiesen. Alle weiblichen Mitglieder der Familie gehörten zur jüdischen Religionsgemeinschaft. Damit waren die Töchter, obwohl nach den "Rassekriterien" wahrscheinlich nur "Halbjüdinnen", "Geltungsjüdinnen" und damit "Volljüdinnen" rechtlich gleichgestellt (in der Diskriminierung). Sie zog laut Hausstandsbuch 1. Januar 1939 nach Amsterdam. Dies ist aber wohl nur das offizielle Abmeldedatum. Laut einen Randvermerk auf der Geburtsurkunde hat sie am 22.12.1938 in Amsterdam Walter Poppert - * 26.3.1914 in Dortmund - geheiratet.

Laut Wiedergutmachungsantrag (ZK-Nr. 609 865) wohnte Gertrud Poppert zuletzt in Amsterdam in der Utrechter Str. 113. Das Ehepaar wurde von dort gemeinsam nach Sobibór transportiert. Obwohl Sobibór ein fast reines Foto_Schoenborn_SobiborVernichtungslager war, wurden sie selektiert und dem dortigen jüdischen Arbeitskommando angegliedert. Dort soll Walter Poppert sogar zwei Wochen Kapo des "Waldkommandos" im Lager II gewesen sein. In allen bisher ermittelten Quellen wird als Todesdaten für Walter Poppert der 31.10.1943 in Sobibór angegeben. Für Gertrude Poppert finden sich die Todesdaten 30.11.1943. Da der Aufstand am 14.10.1943 stattfand, haben die Popperts den Aufstand wohl miterlebt, wenn nicht gar aktiv an der Planung und Durchführung teilgenommen. Überlebt haben sie aber die Auflösung des Lagers nicht.“


Nun liegen nach mehr als vier Jahren nach dieser Fahrt zwei Stolpersteine als Erinnerung an Gertrud Schönborn-Poppert und ihren Mann Walter vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnsitz in Dortmund.

Bei der Verlegung am Freitag waren auch einige Kinder aus der Kindergruppe der Naturfreundeortsgruppe Kreuzviertel mit ihren Eltern dabei. Sie haben geduldig auf den Künstler Gunter Demnig gewartet und dann die Verlegung der beiden Steine mit großem Interesse verfolgt.
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Die Kindergruppe des Ortsvereins wird neben den sechs verlegten Steinen im Kreuzviertel, für die wir die Patenschaft schon übernommen haben, nun auch diese beiden Steine mitbetreuen und in regelmäßigen Abständen besuchen und sauber machen.

Fotos zur Verlegung findet man in der Fotogalerie unter Aktionen/Stolpersteine.