Weckruf zur Wiedernutzung der Kreuzgrundschule als Schule

Nach den Plänen des Hochbauamtes sollte die Kreuzgrundschule zunächst abgerissen und durch einen Neubau an bisheriger Stelle ersetzt werden. Nach erheblichem Widerstand der Anlieger und Untersuchungen des Bund Deutscher Architekten (BDA) wird das Gebäude nun als Baudenkmal erhalten. Die Stadt schlägt dennoch einen Schulneubau im Hintergelände vor und will sucht für das alte Schulgebäude noch eine anderweitige Verwendung.

Mit einem sog. Weckruf an den Rat haben wir uns massiv gegen einen Neubau gewendet und die BDA-Pläne für eine Wiedernutzung der Öffentlichkeit vorgestellt. Zudem forderten wir eine Verschiebung des Ratsbeschlusses um einen Monat. In dieser Zeit sollten die Argumente für einen Neubau bzw. die Wiedernutzung unter den Fachleuten ausgetauscht und eine fundierte Entscheidung vorbereitet werden.

Die Ruhrnachrichten haben sehr ausführlich berichtet und auch die Pläne des BDA in einem eigenen Artikel breit dargelegt. Dennoch hat sich der Rat nicht auf eine inhaltliche Diskussion eingelassen und den Neubau einer Grundschule auf dem Schulhof beschlossen.

Dass die Bedenken der Bürger und Bezirksvertretung nicht ernst genommen und vor allem auch die geforderte Abwägung der Argumente von SPD, CDU und Linke+ nicht zugelassen wurde, ist erschreckend. Wir haben dazu folgenden Kommentar:

Kreuzgrundschule wird Baudenkmal, aber ohne Schulkinder
Oder: Was passiert, wenn Politik nur schnell entscheiden will

Der Rat hat entschieden: Das Gebäude der Kreuzgrundschule soll stehen bleiben. Aber: Als modernisiertes Gebäude soll es für die Kreuzgrundschule nicht mehr genutzt werden. Hört sich komisch an, denn für die Schulnutzung wurde das Gebäude konzipiert und 1915 eingeweiht. Doch die heutige Politik sieht das offensichtlich anders: Sie will für die Schüler was Neues. Und dafür soll auf dem Schulhof eine vierzügige Modulschule neu gebaut werden. Neubau hört sich gut an, denn dann ist ja alles neu. Soweit so gut, kann man denken.

Doch warum nicht das bestehende Gebäude als Schule wieder nutzen? Schließlich hat doch der BDA mit seiner Expertise nachgewiesen, dass die Vorgaben im Bestand vollständig umgesetzt werden können. Zudem wäre der Umbau nach der Kostenschätzung des BDA erheblich preiswerter als ein Neubau. Selbst die Umbauzeit entspricht der eines Neubaus.

Doch nein, die Politiker wollten das weder hören. Entsprechend fassungslos sind die Mitglieder der Anliegerinitiative und die Fachleute des BDA. Fassungslos vor allem auch deswegen, weil der BDA mehrfach um einen Gesprächstermin bei der Stadt nachgesucht hat. – Doch die angesprochenen Dienststellen und Politiker haben einfach keinen Termin angeboten bzw. zugesagte wieder abgesagt!

Und die Bürger vor Ort? Auch die wurden nicht gehört: Denn sie hatten darum gebeten, dass der Rat erst einem Monat später entscheidet. In diesem Monat hätten die Argumente ausgetaucht und eine nachvollzioebare Entscheidung vorbereitet werden können. Doch die Pläne und Argumente wollten sie nicht hören, sondern lieber mit „Augen zu und durch“ schnell entscheiden. So geht Machtpolitik. – Wen wundert es da noch, wenn die Bürger sich erschreckt abwenden. Schlimm genug.

Aber leider sind solche Politiker-Entscheidungen nicht folgenlos. Leidtragende sind die Bürger, die zukünftigen Schüler/Lehrer und vor allem auch die Umwelt. Denn
– der Schulhof wird durch einen Neubau deutlich kleiner
– die benachbarten J. Wulff Förderschüler können diese Schulhoffläche dann nicht mehr mitbenutzen
– fast alle großkronigen Bäume müssen für den Neubau gefällt müssen
– für die dringend benötigte Kita fehlt auf dem Grundstück dann der Platz
– für eine im Bestandgebäude mögliche Kita fehlen dann die Außen-Spielflächen
– eine Kita im Bestand benötigt nur eine geringe Teilfläche, weiteren Nutzen sind erforderlich
– für die noch zu findende Nutzungen ist ein Umbau aufwändig, teuer
– weitere Nutzungen erfordern zusätzliche Nebenanlegen wie z.B. Stellplätze, Anlieferflächen
– eine denkmalgerechte Entwicklung wird damit kompliziert und ggf. infrage gestellt
– die ökologische Bilanz ist wegen der zu fällenden Bäume erheblich schlechter
– der Verlust von Bäumen kann vor Ort nicht ausgeglichen werden
– für den Neubau muss mit hohem Aufwand noch Planrecht (B-Plan) geschaffen werden
– der B-Plan oder eine vorgezogene Neubaugenehmigung können beklagt werden
– eine Klage verzögert die Bereitstellung der dringend benötigten Klassenräume erheblich.

Die Bezirksvertretung Innenstadt West hatte sich einstimmig –also mit SPD und CDU- für die schulische Wiedernutzung der Grundschule ausgesprochen. Doch auch das interessierte die Ratsvertreter nicht. Sie ignorierten mit Ausnahme der Grünen die Vor-Ort-Politik und wischten deren Votum unkommentiert weg. Dabei hätte eine fundierte Entscheidung ohne Not noch vor der Sommerpause getroffen werden können.

Jetzt bleibt erst einmal Fassungslosigkeit und Wut auf die Ignoranz und Selbstherrlichkeit der beteiligten PolitikerInnen: Nicht mal einen Monat Bedenkzeit war Ihnen diese wichtige Entscheidung wert. Mal ganz abgesehen davon, dass der Umbau nach BDA-Schätzung ca. 7 Mio. € weniger kostet als ein Neubau. Wir werden sehen, wie es weiter geht und was die Verwaltung den Bürgern als nächstes vorlegt. Vor Ort besteht jedenfalls Einigkeit, dass die Ratsentscheidung falsch ist. Falsch auch, weil sie der Empfehlung des Klimabeirates an den Rat widerspricht, wonach “das suffiziente und nachhaltige Bauen zum Leitbild des städtischen Bauens zu erklären“ ist. All das zählt hier nicht?!

Für den Informationsaustausch wurde eine Verteilerliste eingerichtet, in die sich alle Interessierten eintragen können. Hierzu bitte mit dem Stichwort „Infoliste Kreuzgrundschule“ eine Mail schreiben an: 1.vorsitzender@kreuzviertel-dortmund.de

Im Weiteren gibt es seit längeren schon eine Online-Petition für den Erhalt des Schulgebäudes. Hier kann man noch unterschreiben und Kommentare schreiben: https://www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-dortmunder-kreuzschule-und-weitere-schulen-im-stadtgebiet

Zeitnah macht es im Weiteren auch Sinn einen Kommentar an die Ruhrnachrichten zu schreiben. Dabei dürfen max. 1.100 Zeichen inkl. Leerzeichen verwendet werden. Die Mail-Adresse ist: do-innenstadt@lensingmedia.de