Kreuz-Grundschule Schulneubau statt alter Bäume: Kreuzviertel-Anwohner protestieren gegen Pläne der Stadt
Kreuz-Schule: Cluster Neubau beschlossen – Anwohner*innen trauern um gefällte Bäume
Anwohner*innen des Kreuzviertels trauern um gefällte Bäume

Keine Spur mehr zu sehen. Jutta Falk und Olaf Greve können die Entscheidung der Stadt, über 30 Bäume zu fällen, nicht verstehen. (Foto: Wir in Dortmund)
Der Rat der Stadt Dortmund hat am 18. Dezember 2025 den Bebauungsplan InW 240 für den nördlichen Teilbereich der Kreuz-Grundschule als Satzung beschlossen. Mit diesem Schritt ist das planungsrechtliche Fundament für den Neubau der Schule im Stadtbezirk Innenstadt-West geschaffen. Lange Zeit hatten sich Bürgerinitiativen und die Bezirksvertretung vergeblich gegen den Neubau ausgesprochen, vor allem aus Gründen des Umweltschutzes. In der ersten Februarwoche begannen die ersten vorbereitenden Maßnahmen, darunter das Fällen von über 30 Bäumen.
Was ist geplant?
Die Kreuz-Grundschule soll zum Sommer 2027 um einen zusätzlichen Zug erweitert werden – das war schon lange klar. Hintergrund ist der steigende Schulraumbedarf im Quartier. In direkter Nachbarschaft liegen mehrere Schulen – Kreuz-Grundschule, Johannes-Wulff-Förderschule, Röntgen-Realschule und Leibniz-Gymnasium. Die Stadt hatte deshalb vor einigen Jahren einen Entwicklungsplan aufgestellt. Während an den anderen Standorten angebaut wurde, sollte die Kreuz-Grundschule ursprünglich abgerissen und neu gebaut werden.
Nach Intervention des Baukunstarchivs und des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) konnte der zunächst geplante Abriss der alten Kreuzschule verhindert werden. Das Gebäude steht mittlerweile zur Freude vieler unter Denkmalschutz. Statt einer Sanierung im Bestand hat sich die Stadt allerdings für einen Neubau mit modernem Raumkonzept auf dem Schulhof der Grundschule entschieden.
In einen Teil des alten Schulgebäudes soll die Johannes-Wulff-Förderschule einziehen. Den Beschluss dazu hatte der alte Rat im Mai 2024 getroffen. Der neue Rat hat nun den Entwurf des Bebauungsplans final beschlossen – gegen die Stimmen von Bündnis 90/Die Grünen und Volt.
Konkret ermöglicht der Bebauungsplan den Neubau einer vierzügigen Cluster-Grundschule auf dem nördlichen Teil des Schulgeländes. Dieser soll künftig Platz für bis zu 464 Schülerinnen und Schüler bieten.
Kreuzviertel-Anwohner*innen protestierten lange gegen die Pläne der Stadt
Nach einem ersten Aufatmen, dass der historische Bau erhalten bleibt, folgte schnell die Ernüchterung. Jutta Falk und Olaf Greve von den Naturfreunden Kreuzviertel wurde schnell klar: „Die Stadt wollte gar nicht im Bestand bauen, sondern einen Neubau auf das Schulgelände setzen“, erzählen sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Für die Mitglieder der Initiative, die sich für den Erhalt des historischen Schulgebäudes und des alten Baumbestands eingesetzt hat, ist das ein schmerzhafter Einschnitt.
Hinzu kam, dass zur Umsetzung des Cluster-Baus zahlreiche Bäume gefällt werden mussten. Über 30 von insgesamt 50 Bäumen, darunter alte Platanen, verschwanden Anfang Februar von der Bildfläche. Noch im November vergangenen Jahres protestierten Angehörige des Vereins und Anwohnende gegen die Fällung. Bei einer Protestaktion machte auch Prof. Frank Wilke, Mitglied im Beirat der Unteren Naturschutzbehörde, auf die Bedeutung der Bäume aufmerksam. „Wenn die Platanen gefällt werden und ihre schattenspendende Wirkung entfällt, verändert das das Mikroklima im gesamten Umfeld“, erklärte er. Die Untere Naturschutzbehörde habe das Bauvorhaben daher deutlich abgelehnt – jedoch ohne Erfolg.
Auch während der anstehenden Bauarbeiten befürchten Falk und Greve, dass weitere Eingriffe, etwa Kronenschnitte, den Baumbestand weiter einschränken. Völlig unbegreiflich ist für die Initiative vor allem, dass im Profil der Schule „Grundlagen der Umwelterziehung“ verankert sind. Hierbei geht es um die Erziehung zur Nachhaltigkeit und die Wichtigkeit, sich für Natur- und Umweltschutz einzusetzen. „Wie passt das mit der Abholzung auf dem Schulhof zusammen?“, fragt sich Jutta Falk. Ein klimafreundliches Gebäude ersetze eben auch keine 30 fehlenden Bäume.

Alternative Konzepte von der Stadt nicht geprüft
Die Initiative beklagt, dass alternative Planungen kaum ernsthaft geprüft worden seien. Architekten des BDA hatten Konzepte vorgelegt, die den zusätzlichen Raumbedarf durch Umbau, Aufstockung und Erweiterung im Bestand lösen sollten – nach ihrer Darstellung wirtschaftlicher und ressourcenschonender als ein kompletter Neubau. Ein Moratorium zur erneuten Prüfung vor dem politischen Beschluss sei jedoch abgelehnt worden.
Auch die künftige Nutzung des Bestandsgebäudes ist unklar. Neben der Erweiterung der Johannes-Wulff-Förderschule steht auch eine mögliche Kita-Nutzung im Raum. Fest steht jedoch: Das alte Gebäude muss unabhängig vom Neubau ebenfalls saniert werden, da es über Jahre kaum instand gehalten wurde.
Die Baukosten für den Neubau werden auf rund 33,7 Millionen Euro beziffert. Baubeginn ist laut Stadt für August 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme zum Schuljahr 2027/28. Während Schulleitung und Teile der Elternschaft die Aussicht auf moderne Räume begrüßen, bleibt bei der Initiative der Eindruck, dass ökologische, denkmalpflegerische und bürgerschaftliche Argumente im Verfahren nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Es gehe hierbei nicht nur um den Schulneubau, sondern auch um Fragen der Stadtentwicklung, der Beteiligungskultur und den Umgangs mit Naturraum im urbanen Kontext.
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RuhrNachrichten Oliver Volmerich Redakteur und alle Fotos; 30.11.25
Jutta Falk von der Anwohner-Initiative Kreuzstraße zeigt mit einem Plan, wie viele Bäume dem Schulneubau zum Opfer fallsen.
© Oliver Volmerich
Für den geplante Neubau der Kreuz-Grundschule müssen jede Menge Bäume fallen. Eine Anwohner-Initiative protestiert dagegen und hat einen Gegenvorschlag.
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Der erste Kampf der Anlieger-Initiative Kreuzstraße war erfolgreich. Das altehrwürdige Gebäude der Kreuz-Grundschule wird nicht wie von der Stadt geplant abgerissen, sondern bleibt als Baudenkmal erhalten. Trotzdem geht der Anwohner-Protest rund um die Kreuz-Schule weiter. Jetzt wird erneut um die Neubau-Pläne für die Grundschule gestritten.
Das Gebäude der Kreuz-Grundschule stammt aus dem Jahr 1915. Ein Neubau ist geplant.© Oliver Volmerich (Archiv)
Denn die soll nach dem Plänen der Stadt wegen des gewachsenen Raumbedarfs nicht im alten Schulgebäude bleiben, sondern einen Neubau bekommen. Entstehen soll der auf dem bisherigen Schulhof. Mit weitreichenden Folgen: 33 von 55 teilweise bis zu 100 Jahre alten Bäumen, die den bislang sehr grünen Schulhof prägen, müssen gefällt werden.
Prof. Wolfgang Sonne steht vor der Kreuz-Grundschule in Dortmund.
„Wunderbare“ Rettung für alte Kreuz-Grundschule Stadt überarbeitet Pläne für Schul-Neubau
Für die Initiative völlig inakzeptabel, wie Anwohner bei einer kleinen Protestaktion vor dem Schultor am Freitag (28.11.) noch einmal deutlich machten. Sie hoffen gewissermaßen in letzter Minute auf ein Umdenken in der Politik. Denn in den kommenden Wochen wird über die Neubaupläne noch einmal in den Fachauschüssen des Rates beraten, bevor der Rat am 18. Dezember den Bebauungsplan endgültig beschließen soll.
Mit einer Protestaktion vor dem Schultor machten Vertreter der Anwohner-Initiative auf den drohenden Baumverlust im Kreuzviertel aufmerksam.© Oliver Volmerich
Die Sorge der Anwohner-Initiative: „Das Thema Klima scheint dabei überhaupt keine Rolle zu spielen“, sagt Olaf Greve, Vorsitzender der Naturfreunde Dortmund-Kreuzviertel. Denn die Fällung der 33 Bäume hätte für die Umgebung, aber auch die Schule selbst weitreichende Folgen, erklärt Greve.
Höhere Wärmebelastung
Selbst in der städtischen Vorlage werde darauf verwiesen, dass nach einem mikroklimatischen Gutachten die gefühlte Temperatur „stellenweise von eienr moderaten Wärmebelastung zu einer extrem starken Wärmebelastung/Hitzestress“ zunehme – mit entsprechenden gesundheitlichen Folgen.
Olaf Greve setzt sich mit der Initiative der Kreuzviertel-Anwohner für den Erhalt der alten Platanen auf dem Schulhof der Kreuz-Grundschule ein.© Oliver Volmerich (Archiv)

„Wenn die Bäume hier fallen und damit auch ihre Schatten spendende Wirkung, wirkt sich das auf das Klima der Umgebung aus“, erklärte bei der Protestaktion Prof. Frank Wilke, der dem Beirat der Untereren Naturschutzbehörde angehört. Die hat das Bauvorhaben denn auch vehement abgelehnt – aber damit bislang ebenfalls kein Gehör gefunden.
„Zeitnah neuen Schulraum zu schaffen ist richtig und wichtig, aber es ist nur ein Belang, der gegen die schutzwürdigen Belange (Gesundheit) der benachbarten Anlieger und Schulkinder abzuwären ist“, heißt es in einer Stellungnahme der Initiative.
Alternative zu Neubauplänen
Dabei gibt es durchaus eine Alternative zu den Neubau-Plänen. Vertreter des Bundes Deutscher Architekten (BDA) haben aufgezeigt, dass ein Umbau und einer Erweiterung des alten Schulgebäudes möglich ist, um das Raumprogramm der wachsenden Grundschule zu erfüllen. Doch das ist von der Verwaltung nie ernsthaft geprüft worden, beklagt Olaf Greve. Und auch die Ratspolitik ignoriere die Alternativ-Vorschläge.
In der Bezirksvertretung Innenstadt-West haben die Sorgen der Anwohner Gehör gefunden. Sie lehnte mit großer Mehrheit den Bebauungsplan und damit die Neubaupläne ab. Doch wie schon bei den letzten Planungsschritten ist absehbar, dass der Rat am Ende anders entscheidet. „So entsteht Bürgerverdruss“, fürchtet Olaf Greve. Die Hoffnung ruht jetzt auf einem letzten Appell an die Stadtspitze und die Ratsfraktionen – und eventuell auf einer möglichen Klage von Anwohnern wegen „gravierender Abwägungsfehler“ vor dem Verwaltungsgericht, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig werden sollte.